Taktile Körperlichkeit
Teresas Körper, Magdalena Chmielewska (AT 2026)
Magdalena Chmielewskas autofiktionales Langfilmdebüt »Teresas Körper« erzählt bruchstückhaftig von der Geschichte ihrer Mutter und schreibt dieser eine brutale Körperlichkeit ein, die unter die Haut geht.
Gezeichnet von den Umständen des Lebens, ist die 67-jährige Teresa bloß noch eine Hülle ihrer selbst. Ihr titelgebender Körper präsentiert sich dabei programmatisch als Fragment: Mal als ein faltiger Ellenbogen, mal als ein schmerzerfüllter Rücken, eine Hand, die nichts zu greifen vermag oder ein vom Körper losgelöstes Auge. In ihrer Präsenz ist Teresa stets abwesend als Ganzes. Erscheint sie äußerlich zwar unversehrt, präsentiert sie sich zugleich zerstückelt und innerlich von Schmerz zerfressen. »Meine Wirbelsäule wird jeden Moment brechen«, sagt sie selbst bei einem Besuch am Strand. Ihr ginge es schlecht, weil ihr Leben insgesamt nicht gut gewesen sei.
Im Unterschied dazu präsentiert sich wiederum Madga, die als Regisseurin dieses Films ebenfalls vor die Kamera tritt, als ihr jüngeres Gegenstück. Während Teresa einen kurzen Moment der Schmerzlinderung im Liegen auf einem Holzbrett findet, so schafft sich Magda über eine Form von Ausdruckstanz ihren eigenen Raum der Bewältigung. In dieser sehr verdichteten Gegenüberstellung macht der Film so allgemein auf generationale Unterschiede im Umgang mit der Schwere, die das Leben manchmal mit sich bringt, aufmerksam.
Indem Chmielewska in ihrem Film persönliche Erfahrungen mit ins Traumhafte kippenden Rückblenden und abstrakten Körperinszenierungen verwebt, schafft sie ein affektiv erfahrbares Spektakel, das leitmotivisch über die visuelle Priorisierung seiner weiblichen Hauptfigur gleichzeitig patriarchale Systematiken in Frage stellt. Der körperliche Schmerz der Mutter eröffnet so einen größeren Diskurs nach der Legitimität von weiblicher Schmerzempfindung. »Sie haben gesagt ich sei so schön und sie können meinen Schmerz nicht sehen«, betont die jüngere Version ihrer Tochter etwa an einer Stelle.
Auch auf Symboleben ist Chmielewskas Debütfilm reichhaltig bestückt: Sauerkirschen werden hier etwa zu einer emotional aufgeladenen Verhandlung von Familiensystemen; das Familienamulett und der »kleine Himmel« lassen sich wiederum als Symbolträger von Schmerzerfahrungen und Bewältigungsstrategien begreifen, die im letzten Akt zum Vergraben an die nachfolgende Generation weitergegeben werden.
Körperlichkeit entpuppt sich in »Teresas Körper« als losgelöst von jeglicher Funktionalität und anatomischer Ordnung. Die Subjektivierung der Mutterfigur, dieses schmerzerfüllte Gefühl von »Im-Körper-Sein« funktioniert dabei vorrangig über eine auditive Ebene, die maßgeblich auf Dialog und Sprache verzichtet. Gekoppelt an eine Bildsprache, die Körperlichkeit in eine Analogie mit dem Kneten oder Klopfen von Fleisch setzt, gewinnt »Teresas Körper« eine taktile Stofflichkeit und wird so visuell greifbar und affektiv erfahrbar gemacht.
Chmielewskas Debütlangfilm »Teresas Körper« wurde kürzlich in Saarbrücken uraufgeführt, wo er gleichzeitig den Max Ophüls Preis für Beste Regie einholte. Aktuell läuft Teresas Körper auf der Diagonale in Graz.